Zusätzliche Informationen zum Zyklus "Wegbereiter unseres Weltbilds"

Leitung: Rudolf Klein
15. September

Galilei und Kepler – ein Philosoph blickt auf die Anfänge der modernen Physik und Astronomie
Prof. Dr. Jürgen Mittelstrass, Universität Konstanz


Die Entstehung der neuzeitlichen Naturwissenschaft ist ein Geschenk des Himmels und der Erde. In der Astronomie findet ein radikaler Bruch mit den bisherigen theoretischen Vorstellungen und dem mit diesen verbundenen Weltbild statt, in der Physik erfolgt der endgültige Abschied von den bisher gültigen Aristotelischen Vorstellungen. Es entsteht eine neue Astronomie und eine neue Physik, verbunden mit den Namen Kopernikus, Kepler, Galilei und Newton. Der Vortrag zeichnet diese Entwicklung unter wissenschaftshistorischen und philosophischen Gesichtspunkten nach.
22. September

Planck und Einstein – die Akzeptanz neuer Erkenntnis braucht Zeit; der mühevolle Weg in die Welt der Quanten
Prof. Dr. Rudolf Klein, Universität Konstanz


Die Entdeckung der Quantenphysik durch Planck und Einstein zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte zu einem neuen Bild von der Welt. Sie leiteten eine Entwicklung ein, die ca. 25 Jahre benötigte, um eine konsistente Beschreibung von Vorgängen in atomaren Bereichen zu erarbeiten. Es wird geschildert, wie es zu dieser Entdeckung kam, welche Beobachtungen mit Hilfe der seinerzeit gültigen Vorstellungen nicht zu erklären waren und daher neue Konzepte benötigten. Sie setzten sich nur sehr zögerlich durch, und es bedurfte vieler zusätzlicher Schritte, um die Quantenphysik in eine Form zu bringen, die sich nunmehr seit ca. 80 Jahren bei der quantitativen Beschreibung einer Vielzahl von Experimenten bewährt hat und anerkannt ist. Die Interpretation der Theorie führt zum Bruch mit dem aus unserem Denken gewohnten Begriff der Wirklichkeit.
 
29. September

Das Geheimnis der Geheimnisse: Was Charles Darwin noch nicht zur Entstehung der Arten wusste
Prof. Dr. Axel Meyer, Universität Konstanz
 


Charles Darwin argumentierte, dass neue Arten durch sich stetig verbessernde Adaptionen, also als ein Produkt der natürlichen Auslese im immerwährenden Wettkampf um limitierte Ressourcen entstehen. Diese Aussage implizierte „Sympatrie“ – das Leben im gleichen Lebensraum. Allerdings sehen Darwins intellektuelle Nachfahren „Allopatrie“, das Leben in getrennten Lebensräumen, als notwendige Voraussetzung für Speziation. Denn ohne geographische Barrieren könnten homogenisierende Gene zwischen verschiedenen lokal-adaptierten Individuen zweier Populationen ungehindert ausgetauscht werden und somit keine, für die Artbildung nötigen genetischen Unterschiede über Generationen hinweg akkumulieren. So wurde allopatrische Artbildung seit Ernst Mayr, der oft der „Darwin des 20. Jahrhunderts“ genannt wurde, zum dominanten, ja fast ausschliesslich akzeptierten Modell der Artentstehung. Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann die Dominanz dieses Speziationsmechanismus durch einige empirische und theoretische Studien zu wackeln. Sympatrische Artbildung scheint zumindest, wenn auch weniger häufig und unter nur seltener auftretenden ökologischen Umständen, zum Ursprung neuer Arten geführt zu haben.
 
 6. Oktober

Kant als Philosoph der Subjektivität unserer Erkenntnis
Prof. Dr. Tobias Rosefeldt, Humboldt-Universität Berlin

 


Eine von Kants zentralen Annahmen besteht in der These, dass bestimmte Aspekte der Welt, die wir erkennen können, nicht von der Welt, sondern von uns als erkennendem Subjekt abhängen. So allgemein formuliert ist das eine Annahme, die bis heute typisch für viele moderne philosophische Konzeptionen ist und der auch Nicht-Philosophen häufig einiges abgewinnen können. In dem Vortrag soll es darum gehen, welche Gründe Kant zu der Annahme bewogen haben und wie sie seiner Meinung nach genauer spezifiziert werden kann. Insbesondere soll es um Kants Kampf mit einem Missverständnis seiner These gehen, das ihm schon zu Lebzeiten immer wieder schwer zu schaffen gemacht hat: der Meinung nämlich, er wolle behaupten, jeder von uns habe eigentlich niemals Erkenntnis von der Welt, sondern immer nur von seinem eigenen Geist und dessen Vorstellungen.