Leitgedanken

Bildung ist ein lebenslanger Prozess. In jeder Lebensphase stehen besondere Bedürfnisse im Vordergrund: In der Jugendzeit geht es namentlich um Grundausbildung. Für die Erwerbstätigen rückt die berufliche Weiterbildung in den Mittelpunkt. Wenn dann in den späteren Jahren der Arbeitsdruck nachlässt, die Kinder ausgeflogen sind, wenn wir aus dem Erwerbsleben ausscheiden, findet sich wiederum mehr Zeit für Bildung im umfassenden Sinn. Eine Bildung, die nicht den unmittelbaren praktischen Nutzen sucht, sondern dem Menschen hilft, den Horizont auszuweiten, das Wissen zu vertiefen, vielleicht auch neue eigene Möglichkeiten zu entdecken, und die ihn anregt und ermutigt zu eigenem Tun und Denken.

Auf dieses Ziel hin ist unsere Seniorenakademie Berlingen ausgerichtet sowohl die Inhalte als auch die Form: Wir wählen Themen, von denen wir glauben, dass sie helfen können, neue Welten zu erschliessen, aus den Natur- und Geisteswissenschaften, aus der Theologie, Philosophie, aus der Kunst. Themen aber, die uns angehen, die also Fragen aufgreifen, die uns direkt oder indirekt gestellt sind und auf die wir mit unserem Leben antworten müssen. Im Letzten ist es wohl immer die Frage nach dem Sinn unseres Lebens.
Aber auch die Form soll unserer besonderen Zielsetzung Rechnung tragen. Es geht also nicht um das hastige Zusammenraffen von nutzbringenden Kenntnissen, sondern um eine gründlich-behutsame Auseinandersetzung, die Raum bietet für das Gespräch im kleinen Kreis wie auch im Plenum, die Zeit lässt für das Lesen, die Denkanstösse gibt und Interesse weckt und die schliesslich auch Freude und Erfüllung bringen soll.

Und nicht zuletzt: Wir wollen Gelegenheit schaffen, anderen Menschen begegnen zu können.

Rechtlich ist unsere Seniorenakademie eine gemeinnützige Stiftung und als solche nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtet. Sie wird getragen von Frauen und Männern, die im Stiftungsrat und im Vorstand ehrenamtlich mitarbeiten. Sie ist in jeder Hinsicht unabhängig, wirtschaftlich eigenständig, politisch und weltanschaulich ungebunden, und steht darum allen interessierten Menschen beidseits der Grenzen offen.


Zum neuen Programm

Sehr geehrte Damen und Herren

Traditionsgemäss beschäftigen wir uns in der Seniorenakademie Berlingen mit grundlegenden Fragen. Allerdings muss ich gestehen, dass in der heutigen eher tur-bulenten Zeit die Versuchung besteht, aktuelle Themen aufzugreifen. Aber überlassen wir dies den Tageszeitungen und bleiben unseren Leitsätzen treu. Bildung im umfassenden Sinn ohne unmittelbaren praktischen Nutzen ist ja unser Ziel. Persönlich bin ich überzeugt, dass ein solides Hintergrundwissen hilft, die komplexen und zum Teil widersprüchlichen Tagesaktualitäten besser einzuordnen.

Unsere Vorstellungen von der Welt, in der wir leben, werden nicht zuletzt von den Naturwissenschaften geprägt. Diese Disziplin hat sich jedoch in eine Richtung be-wegt, in der wir „normalen“ Laien gar nicht mehr versuchen, sie zu verstehen. Im ersten Zyklus „Wegbereiter unseres Weltbilds“ wagen wir es trotzdem, auf eine für alle verständliche Art und Weise zu zeigen, wie grosse Wissenschafter unser Denken geprägt haben. Begleiten Sie uns auf dieser faszinierenden Reise!

Wer wüsste nicht gern in dieser bewegten Zeit, wie die Welt von morgen aussehen wird. Die ältere Generation, die auf vielfältigste eigene Erfahrungen zurückgreifen kann, darf sich dieser Frage einigermassen gelassen annähern. Um so spannender wird es, wenn führende Köpfe sich damit befassen.

Im dritten und letzten Zyklus dieses Jahres steht für einmal das Wohnen im Zentrum. Architektur ist und war zu allen Zeiten Ausdruck des Lebens- und Machtgefühls. Heute steht in der Regel der praktischen Nutzen für die Bewohner im Vordergrund; gute Architekten versuchen, gleichzeitig hohen Ansprüchen bezüglich Ästhetik sowie auch der Integration in die Umgebung zu genügen. Hören Sie die Überlegungen, die heute massgebend sind und bilden Sie sich ein eigenes Urteil.

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, es freut mich, wenn ich Sie nach einer hoffentlich schönen Sommerpause wieder zahlreich bei uns in Berlingen begrüssen darf.

Bis bald und mit herzlichen Grüssen
Ihr Hans Rudolf Däniker